Ritterfest Mönchengladbach

Zwischen Staub und Sonnenglut mein erstes Wochenende als Teil eines Lagers.

Der Schotterparkplatz knirschte unter den Reifen, während ich langsam einrollte. Staub stieg auf, legte sich träge in der warmen Luft, und in meinem Kopf raste nur ein Gedanke: Wie soll ich all das Gepäck jemals bis zum Lager schleppen?

Zum Glück tauchte Oliver auf – Lagerleiter, Fels in der Brandung – und half mir, Feldbett, Auflage und Kameraausrüstung zu schultern.

Als wir zwischen den Zelten ankamen, blieb ich kurz verwundert stehen: Mein Zelt stand schon. Mehr Platz, als ich erwartet hatte. Der Handwerkerstand war schon aufgebaut, die Rüstung glänzten in der Sonne, Oliver’s Schild hing an Ort und Stelle – und direkt gegenüber: die Kirschbier-Taverne. Wie praktisch.

Wir waren mit der ganzen Lagergruppe vor Ort Isenwercs Pugnatores, und egal ob im Stand oder hinter den Zelten: Es war immer Leben da.

Oft trauten Kinder sich oft nur zögerlich, ein Kettenhemd anzuprobieren. Doch wenn sie dann auch noch ein Schwert in die Hand bekamen, passierte immer das Gleiche – ihre Augen leuchteten, und sie merkten sofort: Getragen fühlt sich so ein Hemd leichter und bequemer an, als es in der Hand wirkt. Und dann wurde kräftig posiert für Mama, Papa, Oma oder Opa.

Oft stellten sie dann Fragen: „Wie schwer ist das? Wie lange dauert es, so etwas zu machen? Was kostet es? Oder schlichtweg erstaunen darüber, dass wir das alles selber machen, ja von Hand.“

Der Dolch-Stichtest auf einem industriellen Kettenhemd – bei dem der Dolch einfach durchging – sorgte jedes Mal für ungläubige Blicke. Und genau dann erklärten wir, warum jeder einzelne Ring eines vernietetes Hemds eine andere Liga ist.

Der tägliche Markteinzug

Jeden Tag begann das Spektakel mit einem Einzug, wie man ihn nur auf einem Ritterfest erleben kann. Händler, Gaukler und Lagergruppen sammelten sich vor den Toren – Trommeln gaben den Takt, Fahnen flatterten im Wind, und mit jedem Schritt wuchs die Spannung.

Es war kein geordneter Marsch, sondern eine bunte Prozession: Handwerker mit ihren Werkzeugen, Spielleute mit Flöten und Trommeln, Ritter in voller Rüstung, dazu Gaukler, die das Publikum mit ersten Kunststücken begrüßten. Zwischen all dem Trubel liefen auch wir mit – stolzer Teil des Lagers, sichtbar als Handwerker und Gastgeber für alle, die neugierig waren.

Das Publikum säumte die Wege, Kinder reckten die Hälse, und mit jedem Applaus stieg die Vorfreude. Am Ende des Zuges wurde der Markt offiziell eröffnet – und für einen Moment fühlte sich alles an, als hätte man eine Zeitreise gemacht.

Schlachtgetöse und goldener Staub in der Luft

Am Samstag Nachmittag wuchs das Grollen in der Ferne. Die Ritter gegen die Wikinger – eine Schlacht, die sich quer über den ganzen Markt zog. Sie fegte direkt an unserem Stand vorbei: das Klappern der Panzerungen, das Krachen der Schilde, das Rufen der Kämpfer. Staub wirbelte auf und schimmerte golden im Sonnenlicht. Für einen Moment fühlte sich alles an wie ein Standbild aus einem Film – und wir mitten drin.

Die Streuner lieferten den Soundtrack, irgendwo zwischen Sauflied und Ballade – und ja, bei manchem Sauflied musste einfach ein lautes „Na endlich!“ die Antwort sein.

Nach Marktschluss wurde es ruhiger. Die Gauklerlocken-Flechterin Carmen setzte sich zu uns, nahm ihre Ukulele und sang „Sommerwind“ und eine Menge anderer Lieder mit Ihrer zarten und einmaligen Stimme. Es war einer dieser Momente, in denen die Zeit stillsteht.

Später, am Feuer, blickte ich in die Runde. Freunde, alte und neue. Lachen, Stimmen, das Knistern des Holzes. Es war überwältigend – dieses Gefühl, mit so tollen Menschen zusammenzusitzen, gemeinsam zu trinken, und einfach da zu sein.

Kulinarische Seiten des Ritterfests

Für mich gab es im Lager Nudeln mit Gemüse. Morgens gab es reichlich Schokocroissants, frische Brötchen von der Bäckerei vor Ort. Die Taverne schenkte Kirsch- und Waldmeisterbier aus, und zwischendurch roch es nach Rauch, Leder und frischen Pfannkuchen – mit Käse oder Apfelmus.

Auf dem Markt waren natürlich auch Fleischspieße, Flammlachs Gebrannte Mandeln Hexenhaar (Zuckerwatte) oder bei den Temperaturen EIS zu finden. Was bei uns auf großen Zuspruch gestoßen ist.

Am Ende blieb das Gefühl, Teil von etwas Besonderem gewesen zu sein. Nicht nur Besucher – sondern Gemeinschaft, Wertschätzung, geteilte Erlebnisse.
Und ja – ich würde jederzeit wieder in Mönchengladbach lagern. Mit diesen Menschen. An diesem Feuer.

Bis zum nächsten Mal – und bis dahin bleiben die Momente in Erinnerung und es glüht die Sehnsucht weiter.

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