Von der Idee zur Nox Viventem Limitierten Edition
Ich habe Bernhard vor etwa einem Jahr in Mühlheim Schloss Broich kennengelernt. Met-Händler. Marktmensch. Einer von denen, bei denen man eigentlich nur kurz schauen will was es so neues gibt und was er zu erzählen hat. Jeder, der Bernhard ein wenig kennt, weiß:
Man kommt schlecht von seinem Stand weg, ohne wenigstens etwas probiert zu haben.
Im Laufe des Jahres sind wir uns immer wieder auf Märkten begegnet. Gespräche hier, ein Schluck da. Nichts Großes. Nichts Geplantes. Einfach dieses stille Wiedererkennen, das auf Märkten irgendwann passiert.

Nach dem Ritterfest in Mönchengladbach saß ich spät Abends im Lager und hatte diesen einen Gedanken: Es wäre doch schön, etwas teilen zu können. Nicht irgendetwas. Sondern etwas Eigenes. Etwas, das ich mit dieser Lagergruppe verbinde und genießen kann. Was den anderen eine Freude macht und wo ich auch hinter stehe.
Also habe ich meinen Mut zusammengenommen bin raus aus meiner Comfort Zone und habe Bernhard gefragt. Ob er sich vorstellen könnte, gemeinsam einen Met zu machen. Noch ohne Konzept, ohne fertige Idee oder Geschmacksrichtung. Das einzige was ich wusste war, dass ich das Design machen möchte und es nicht allzu süß werden sollte.
Die Idee war da – die Arbeit begann

Ideen sind immer gut doch wollte ich diese auch wirklich umsetzen, also ran an die Arbeit. Wonach soll der Met eigentlich schmecken? und wie soll das ganze aussehen?
Bei der Frage nach dem Geschmack hilft es nur zu probieren. Das war wirklich ein sehr schwieriger Teil das könnt ihr mir glauben. Denn es sollte fruchtig und nicht zu süß werden. Heidelbeere klang gut, Ananas für mich zu exotisch bei Kirsche wurde ich fündig. Doch es fehlte mir das gewisse etwas. Bis wir auf Vanille gekommen sind.
Der Geschmack stand also fest. Kirsch Met mit einer Spur Vanille nicht überladen und auch nicht zu süß.
Bernhards erster Vorschlag ist naheliegend.
Der Met müsse zunächst einmal in eine Flasche gefüllt werden, soweit so logisch. Doch damit beginnt für mich erst die eigentliche Überlegung. Ich frage mich, ob eine schwarze Flasche nicht besonders edel wirken könnte. Vor allem eine matte Oberfläche erscheint mir zunächst passend.
Bernhard sieht das jedoch etwas praktischer. Eine matte Flasche sehe zwar hochwertig aus, erklärt er, aber auf Märkten zeige sie schnell jede kleine Macke, jeden Kratzer und sogar Fingerabdrücke. Nach dem ersten Markt würde sie vermutlich schon nicht mehr besonders schön aussehen. Dieser Einwand überzeugt mich, also rückt eine glänzende Oberfläche in den Fokus.
Dann bringt Bernhard einen weiteren Punkt ins Spiel: Der Met selbst ist bereits sehr dunkel. Eigentlich brauche die Flasche also gar nicht schwarz zu sein. So könne man außerdem sofort sehen, wenn eine Flasche leer ist. Dieser Moment wird doch wohl kaum eintreten dürften, denke ich mir. Bernhard bleibt trocken und meint nur, dafür hätte man ja mehrere Flaschen dabei.
Beim Verschluss entscheide ich mich für Schwarz. Für mich wirkt das Gesamtbild damit ruhiger und einheitlicher. Bernhard zuckt nur mit den Schultern und meint, dass es am Ende meine Entscheidung sei, er kann fast alle Farben drauf machen die ich haben will.
Aus diesem Gespräch nehme ich wieder mal mit:
Gute Gestaltung entsteht nicht nur aus Ideen, sondern auch aus Erfahrung.


Nach der Flasche ging es an das Etikett.
Mir war wichtig, dass es auffällt, aber nicht überladen wirkt. Statt vieler Details sollte es eher schlicht und edel sein.
Im Mittelpunkt steht ein Rabe. Er passt gut zur Idee von Nox Viventem, der lebendigen Nacht. Der Rabe wird oft mit Dunkelheit und einer gewissen Mystik verbunden und fügt sich damit gut in das mittelalterlich angehauchte Thema ein.
Beim Design habe ich mich bewusst für einen minimalistischen Stil entschieden. Zu viele Verzierungen hätten schnell verspielt gewirkt. Stattdessen steht der Rabe klar im Fokus. Die Farbe Silber soll dabei das Licht reflektieren – fast wie Mondschein – und das Motiv hervorheben.
Bei der Größe habe ich mehrere Varianten ausprobiert. Manche waren zu breit, andere zu klein. Am Ende gibt es vorne ein größeres Etikett für das Design und hinten ein kleineres mit den nötigen Informationen wie Adresse und Angaben zum Produkt.
Nachdem die Größe und das Layout feststanden, konnte ich die Etiketten schließlich in den Druck geben und bestellen. Ich war besonders aufgeregt, vor allem wegen der Veredelung. Bis zum Schluss wusste ich nicht genau, ob das Ergebnis wirklich so aussehen würde, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Schief und krumm aber individuell
Nachdem die Etiketten angekommen sind und ich vor Freude darüber das sie noch schöner geworden sind als gedacht habe. Musste ich kurz durch die Wohnung tanzen und mich über das Ergebnis freuen. Dann begann der nächste Schritt: die Flaschen selbst zu etikettieren. Jede Flasche musste sauber, gerade und halbwegs gleich beklebt werden. Das klingt einfach, braucht aber etwas Geduld, damit keine Luftblasen entstehen und alles ordentlich aussieht. Und wenn sie doch schief wurden und Blasen bekamen, es ist eben Handarbeit und sie sind so wie wir alle individuell. Mit jeder fertigen Flasche wurde der Stapel größer und plötzlich stand die erste komplette Reihe vor mir.
In diesem Moment wurde aus der Idee wirklich ein Produkt. Die Flaschen fertig vor sich zu sehen, mit Rabe, Etikett dem Glanz und Met, war ein besonderer Moment und machte mich ehrlich gesagt ziemlich stolz.
Insgesamt sind am Ende 100 Flaschen entstanden.
Das Projekt hat mir gezeigt, wie viele kleine Entscheidungen hinter einem scheinbar einfachen Produkt stecken von der Wahl der Flasche über das Etikett bis hin zum fertigen Ergebnis. Zu sehen, wie aus einer Idee Schritt für Schritt etwas Reales wird, war eine spannende Erfahrung und hat das Ganze zu einem wirklich coolen Projekt gemacht.
Ein besonderer Dank geht dabei an Bernhard Kowalczyk. Mit seiner Erfahrung und seinen praktischen Tipps hat er viele der Entscheidungen begleitet und mir immer wieder neue Perspektiven gegeben. Solche Projekte unterstützt er gerne nicht nur rund um Met, sondern auch in seinem eigentlichen Fachgebiet: Schokolade und Pralinen aus seiner Chocolate Akademie Tönisvorst.







