Ein Tag zwischen Handwerk und Geschichte
Meine Augen brauchen einen Moment, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Hier drinnen in der Holzkirche wirkt alles gedämpft und ruhig. Das Licht fällt durch die Schindeln und bricht sich sanft im Raum. Die Decke ist hoch, der Raum offen, und trotzdem fühlt es sich auf eine ganz eigene Art gemütlich an.
Von außen wirkt das Gebäude zunächst gar nicht wie eine Kirche. Der Kirchturm steht etwas abseits und erinnert eher an einen Wachturm. Erst im Inneren der Holzkirche entfaltet sich die eigentliche Wirkung. Der Boden besteht aus grob gebrochenem Naturstein, ein deutlicher Kontrast zu den sonst eher sandig-lehmigen oder Hackholz-schnitzel Wegen auf dem Gelände. Es ist still nur die Stimme der Führerin ist zu hören.

Der Besuch auf dem Campus Galli war unser gemeinsames Ausflugsziel als Lagergruppe. Schnell wird uns klar: Das hier ist kein klassisches Museum. Es wird nicht nur gezeigt, sondern gearbeitet, gebaut und gelebt.
Im ersten Moment ungewöhnlich das das Geräusch von schlagendem Holz, das die Mittagspause ankündigt. Das Geräusch lässt sich für mich nicht direkt einordnen, aber in der ausführlichen Führung wird erklärt, dass dies eine vorab Benachrichtigung für die Mitarbeiter auf dem Campus ist das in ein paar Minuten die Kirchenglocke läuten wird und die Mittagspause verkündet. Man also nun besser planen kann wie viel Zeit man für sein aktuelles Projekt, an dem man arbeitet hat. Und wie versprochen folgte dann auch eine Viertelstunde später das Läuten der Bronzeglocke, die ebenfalls auf dem Campus gegossen wurde.
Zum Mittag gibt es für mich eine einfache Linsensuppe mit Wurst, nicht gekocht über dem Lagerfeuer dafür aber in einer authentischen Schüssel aus Ton. Etwas Bodenständiges, sehr lecker und genau das passt zu diesem Ort.
Währenddessen entsteht ein reger Austausch in der Gruppe über das, was wir bereits gesehen haben, was wir durch die Führung gelernt haben und was uns besonders überrascht hat. Doch liegt noch ein großer Teil des Tages vor uns schließlich wollen wir noch unbedingt zur Schmiede und ein Teil wollte sich bei den Weberinnen wertvolle Tipps für die eigenen Projekte abholen. Und so ziehen wir weiter.



Der Schmied, der Drechsler, der Schreiner, der Eimer aus Holz und Weiden fertigt, der Töpfer, der den Lehm direkt vor Ort abbaut alle geben bereitwillig Einblicke in ihre Arbeit. Auch die Steinmetze erklären geduldig, woran sie gerade arbeiten.
An anderen Stellen werden Dachschindeln von Hand gefertigt oder alte, gespendete Balken weiterverarbeitet, die noch Spuren eines Feuers tragen. Wiederverwertung wird hier nicht nur gezeigt, sondern tatsächlich gelebt.
Ein Detail, das besonders im Kopf bleibt, ist ein großer runder, erhöhter Hühnerstall. Eine Bauweise, die ich so noch nicht gesehen habe. Die Hühner laufen frei über das Gelände, genauso wie die Bienen, die hier Honig sammeln und die Schafherde die ihre Runden über den Campus dreht mit den Oster Lämmchen.
Auch das Flechten von Weidenkörben wirkt zunächst unscheinbar, zeigt aber schnell, wie viel Handwerk dahintersteckt. Mit etwas Übung entsteht in kurzer Zeit ein stabiles Stück und gleichzeitig erklärt Dirk, dass dieses Wissen heute immer seltener wird. Und das es dafür tatsächlich eine Ausbildung gibt.

Was diesen Ort für mich besonders macht, ist die Leidenschaft der Menschen. Viele arbeiten hier freiwillig und investieren Zeit und Energie, um das Projekt möglich zu machen. In jedem Detail steckt Sorgfalt und auch die Bereitschaft, dazuzulernen und Dinge weiterzuentwickeln.
Genau deshalb ist der Campus auch auf Unterstützung angewiesen.
Wer das Projekt unterstützen möchte, kann das auf verschiedene Weise tun durch einen Besuch, durch Weitererzählen oder auch ganz direkt durch Mithilfe oder eine Spende. Denn letztlich lebt der Campus davon, dass sich Menschen für das interessieren, was hier entsteht, und bereit sind, ein Teil davon zu werden. Weitere Informationen zum mitmachen findest du hier: https://www.campus-galli.de/mitmachen/
Und hier geht’s direkt zur Spende: https://www.campus-galli.de/ueber-uns/#spender
Nach acht Stunden vergeht die Zeit erstaunlich schnell. Beim Verlassen des Geländes öffnet sich der Blick auf ein weites Bergpanorama. Ein Moment, der sich kaum festhalten lässt auf Bildern wirkt er längst nicht so beeindruckend wie in der Realität.
Vielleicht ist es genau das, was den Campus Galli ausmacht: ein Ort voller kleiner Eindrücke, die sich nicht vollständig einfangen lassen, aber lange im Kopf bleiben.
Ich freue mich schon jetzt auf unser Wiedersehen!





