Es war ein Sprung ins kalte Wasser.
Nach meinen ersten Events wollte ich mehr als nur Beobachterin sein. Ich wollte Teil der Welt werden. Keine Jeans mehr, kein Schwarz, keine „Zivilkleidung“. Sondern etwas, das mich einbettet zwischen Händlerständen, Gauklern und Feuerschein.
Also bestellte ich spontan, ohne Wissen, ohne Plan. Einfach anprobieren, fühlen, sehen, was passt.Spoiler: Ich habe nicht alles behalten. Aber das Gefühl, weniger fremd zu sein, das war sofort da und genau das war mein Ziel.
Vom schwarzen Alltag zu Weiß und Rot
Normalerweise trage ich fast nur schwarz. Klar, es ist praktisch, schlicht und irgendwie immer passend. Aber auf dem Mittelaltermarkt wollte ich etwas anderes sein – sichtbar, bunt, lebendig.
Die Farbwahl war allerdings härter, als ich dachte:



Am Ende wurde es Weiß und Rot. Mein erstes Outfit war geboren ein langes, weißes Kleid. Dazu das „Höllenfenster“ in einem faszinierenden Rot – ein Stoff, der in sich so viele Schattierungen hatte, dass ich sofort verliebt war. Es wirkte warm und lebendig, und mit meinem selbstgemachten Gürtel war es plötzlich ein Look, der nicht nur angezogen, sondern inszeniert wirkte.
Ungewohnt war es trotzdem. Als ich mich das erste Mal im Spiegel sah, dachte ich:
„Wow. Anders. Aber gar nicht mal so schlecht.“
Und dann, auf dem Markt, kamen die ersten Komplimente – nicht für das Kleid, sondern für meinen Gürtel. Den hatte man so noch nicht gesehen.
Und das machte mich stolz.

Mein Stolz: der Gürtel
Am meisten gefreut habe ich mich über meinen selbstgemachten Gürtel. Der hat das Outfit nicht nur abgerundet, sondern war für mich ein echtes Symbol: Etwas Eigenes, Handgemachtes, das mich vom reinen „Kaufen und Anziehen“ weggebracht hat. Und es sah auch noch richtig gut aus.
Rot, kurzärmelig und
genau richtig
Am nächsten Tag kam die Sonne gnadenlos. Das lange Kleid? Zu warm.
Also griff ich zum roten Kleid: kurzärmelig, mit weißen Details, schlicht und doch elegant. Es passte. Es fühlte sich leichter an, befreiter. Und irgendwie auch mutiger.
Für jemanden wie mich, die sonst immer Hosen trägt, war allein das schon ein Schritt aus der Komfortzone. Aber gleichzeitig genau das, was ich brauchte. Denn mein Plan funktionierte: Ich fühlte mich weniger fremd.

Ketten und nackte Haut
Und dann kam der Moment, an dem ich alles über den Haufen warf. Ich tauschte das Kleid gegen ein Kettenoberteil vom Sarworter Stand.
Es war luftig, viel angenehmer, als ich gedacht hätte. Die Ringe lagen kühl auf der Haut, bewegten sich mit, statt zu drücken. Nur eins ließ mich nervös werden: man sah meinen BH.
Kann ich das so machen? Ist das nicht zu viel? Hier sind doch Kinder, Familien…
…fragte ich mich. Die Unsicherheit war riesig. Aber gleichzeitig war da diese Befreiung. Sommer. Sonne. Und mal ehrlich im Bikini zeigt man auch Haut.
Also improvisierte ich. Ein schwarzes Shirt wurde kurzerhand zu einem Rock umfunktioniert. Und das Ergebnis? Es sah besser aus, als ich gedacht hätte. Niemand schien es zu bemerken und selbst wenn. Es fühlte sich gut an, weil es meine Lösung war.
Und dann die Blicke. Die Männer drehten die Köpfe, teilweise so heftig, dass der ein oder andere heute wohl Nackenschmerzen hat. Nervosität blieb, aber ich fühlte mich stärker als erwartet. Ein Schritt raus aus meiner Komfortzone und genau das war richtig.
Was ich gelernt habe – meine Tipps für dich
Meine erste Gewandung war ein Experiment.
Spontan, chaotisch, nicht perfekt. Aber sie hat funktioniert. Und hier kommen meine Tipps, falls du auch starten willst:
- Überlege dir grob eine Richtung aber fixier dich nicht zu sehr.
- Wähle Farben, die sich gut anfühlen. Du musst dich darin wiederfinden.
- Mach’s mit Freund*innen zusammen macht das Aussuchen doppelt Spaß.
- Dein erstes Outfit muss nicht perfekt sein. Fang klein an.
- Hör auf, dich mit anderen zu vergleichen.
Auch die mit der „historisch korrekten“ Top-Gewandung haben mal angefangen. - Sei kreativ: Manchmal reicht ein Gürtel oder improvisierter Rock, um den Look zu retten.
- Schau dich auf Märkten um, sammle Eindrücke und probiere es einfach aus.
Und jetzt?
Meine erste Gewandung ist der Anfang. Noch hat sich mein Stil nicht stark verändert aber eine zweite Rolle spukt schon in meinem Kopf herum. Ritter vielleicht aber nicht als bloße „Verkleidung“. Ich will, dass es sich anfühlt, als wäre es ein Teil von mir.
Das ist mein Weg. Und ich bin gespannt, wohin er mich noch führt.
Und weil Worte manchmal nicht reichen, habe ich die Outfits auch in einem kurzen Video festgehalten.






